Die Pädagogik im Zeitalter der Technologie

Zum 25-jährigen Jubiläum habe ich mich nach Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen bemüht, Herrn Christof Wiechert, selbst jahrzehntelang Waldorflehrer und anschließend Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, für einen Festvortrag an unsere Schule zu bitten. Herr Wiechert war vor einigen Jahren einige Male bei uns zu Gast und hat mit dem Kollegium intensiv gearbeitet. Dadurch entstand, vor allem für die Kolleginnen und Kollegen, welche diese Arbeit miterlebt haben, eine intensive, ja freundschaftliche Verbindung.

In vorbereitenden Gesprächen, die ich mit Herr Wiechert geführt habe, waren wir uns bald einig, dass die Frage des Verhältnisses zwischen dem heranwachsenden Menschen und einer sich in allen Lebensbereichen einnistenden digitalen Technologie eine entscheidende Zukunftsfrage ist. Der Titel seines Vortrags „Die Pädagogik im Zeitalter der Technologie“ ist also in diesem Sinne zu verstehen.

Ein bewusster und autonomer Umgang mit digitaler Technik und ihren Medien ist für eine gedeihliche Praxis unserer Pädagogik im Alltag eine wichtige Voraussetzung. Wir müssen allerdings ehrlicherweise zugeben, dass diese Voraussetzung keineswegs in der anzustrebenden Weise gegeben ist. Nicht nur unter Lehrern, auch unter Eltern wird der Umgang mit digitalen Medien diskutiert, zum Teil kontrovers, zum Teil auch ratlos und resignativ. Es kann aber nicht in unserem Sinne sein, dieser Entwicklung ohnmächtig gegenüberzustehen. Schon der Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker machte darauf aufmerksam, dass ein menschenwürdiges Verhältnis des Menschen zur Technik dadurch gekennzeichnet ist, dass die Technik stets Mittel zum Zweck sein muss. Erliegt man jedoch ihrer Faszination, so wird sie zum Selbstzweck und der Mensch zu ihrem Mittel.

„Wir müssen also ein Bewusstsein für den richtigen, den technischen Gebrauch der Technik gewinnen, wenn wir in der technischen Welt menschenwürdig überleben wollen. Das verlangt eine moralische Anstrengung, die sich in einer positiven Moral, einer gefestigten Sitte niederschlagen muss. (…) Als leitende Regel muß gelten: Kein Mensch ist ein Gerät, und Geräte dürfen nur zum Nutzen, nicht zum Schaden der Menschen gebraucht werden.“

Carl Friedrich von Weizsäcker, Technik im Dienst humaner Zwecke

Vergleichen wir die inzwischen herrschende Realität mit diesem Diktum, so ist die Diskrepanz kaum zu übersehen. Daher betrachten wir diesen Vortrag als Teil einer sinnvollen und wünschenswerten Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern und Lehrern und möchten alle herzlich einladen, diesen Vortrag zu besuchen, der für die ganze Schulgemeinschaft gedacht ist.

Kurzvita Christof Wiechert

  • Geboren 1945
  • Waldorfschüler in Den Haag (NL)
  • Studium der Pädagogik und Geographie, 30jährige Lehrertätigkeit an der Waldorfschule Den Haag
  • Mitbegründer des staatlichen Waldorflehrerseminars in den Niederlanden
  • Viele Jahre Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in den Niederlanden
  • Entwicklung des Kurses „Die Kunst der Kinderbesprechung“ (mit Ate Koopmans)
  • Rege Vortragstätigkeit im In- und Ausland
  • seit Sept 1999 in der Leitung der Pädagogischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften am Goetheanum in Dornach/CH
  • Okt. 2001 – Dez. 2010 Leitung der Pädagogischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften am Goetheanum in Dornach/CH
  • Tätigkeit für die Freie Hochschule am Goetheanum
  • widmet sich pädagogischen und anthroposophischen Themen im In- und Ausland

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